Super treffender Text von Kayja

IST TRAUMA HEILBAR? 

Es scheint so, als würden viele von euch die Frage im Herzen tragen, ob Trauma wirklich heilbar ist? Und woran man eigentlich erkennt, dass man ein Trauma hat? 

Als ich das erste Mal meinem Trauma so richtig begegnet bin, hatte ich keine Ahnung, wo oben oder unten ist. Alles war verkuddelt mit Schmerz und Taubheit und was weiß ich noch. Ich wusste einfach nicht, was mit mir passiert, hatte dementsprechend auch keine Ahnung, wie ich damit umgehe und habe mich meiner Autonomie beraubt gefühlt. 

Aber etwas, das sich während meiner Reise mit meinem Trauma verändert hat, ist, dass ich mich dem nicht mehr so ausgeliefert fühle, wie noch vor ein paar Jahren.  Mein Trauma ist nichts mehr diffuses, was ich nicht greifen kann und wovor ich Angst haben muss. 

Früher war es das Gefühl der Ohnmacht, das mich deswegen immer wieder so ausgeknockt hat. Das nicht-wissen. Das „Was passiert gerade mit mir und meiner Körperin?“. Gerade und vorallem in sexuellen Situationen. Warum bin ich auf einmal weg? Warum fühl ich nichts mehr und fahre alle möglichen Mauern hoch, die es je in mir gegeben hat? 

Ich hab das alles nicht verstanden. Und zusätzlich haben mir solche heftigen körperlichen Zustände auch Angst gemacht. 

Ich konnte nicht mehr für mich sorgen. Wusste nicht, was ich wirlich brauche. Konnte meinen Gegenübern nie wirklich erklären, was mit mir und in meinem Inneren geschieht. Und fühlte mich einfach nicht mehr handlungsfähig

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 „Wissen ist Macht“ – Und in dem Fall, aber sowas von!  

Mehr über mein Trauma zu lernen, mehr auf einer rein geistig/intellektuellen Ebene zu verstehen und körper-psychologisch nachvollziehen zu können, was mit mir in solchen Momenten passiert, hat mir wortwörtlich den Arsch gerettet. Und mir geholfen, meine Macht wieder über mich selbst zurückzuerobern.

Mittlerweile erkenne ich viel früher, wann ich in einem Traumazustand gelandet bin, welche ersten Anzeichen es dafür gibt (z.B Realitätsverlust, starke Emotionalität, körperliche Stressreaktionen, wie Kälteanfälle, Starre oder Muskelzittern). Aber das Beste ist: Immerhin weiß ich, was gerade mit mir passiert.
 
Seit da an gab es einen großen AHA Moment nach dem andern. Und ein tiefes ausatmen allá „Ahhhh DAS passiert da gerade. Und DAS kann ich machen, um es vorzubeugen.“ Und irgendwann kam dann auch ein „Ahhh das ist ja auch alles völlig normal und täglich landen tausend andere Menschen in solchen Ausnahmezuständen.“   

Erst dann konnte ich mich so wirklich entspannen, weil ich jetzt endlich wusste: Okay. Mit mir ist überhaupt nichts falsch. Trauma ist ein Teil vom Leben und es ist vorallem Teil von unserer Kultur.

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Unsere jeweiligen Traumata müssen nicht unser Leben und Sein bestimmen. Schwierig wird es nur dann, wenn wir uns so schnell wie möglich von unserem Trauma befreien wollen. Eine „wischi-waschi-bloß-schnell-weg“ Haltung bringt uns nicht viel weiter. Sondern in dem wir uns bereit machen und innerlich ein Ja dafür haben, IN unser Trauma reinzugucken. Wirklich unser Trauma kennenlernen zu wollen, Ja dazu zu sagen und damit arbeiten zu wollen. Nur so können wir das, was uns passiert ist, integrieren und ihm die Macht und Bestimmung über unser Leben nehmen.  

Also die Antwort auf eure Frage: Ja, Trauma ist heilbar. Und gleichzeitig ist es ein Weg, der Ausdauer, Geduld und viel liebevolle Aufmerksamkeit von dir verlangt. Aber eins versprech ich dir von tiefstem Herzen:

Es wartet auf dich pure Lebendigkeit und ein Maß an unbekannter Freiheit, für das es sich lohnt diesen Weg zu gehen. 
 


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